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Ich gehe raus in die Natur – und komme mit einer Tüte Müll zurück

Wir sind vor etwa sechs Jahren raus aufs platte Land gezogen. Hier gibt es kilometerweit nur Felder, Wiesen und Massentierhaltungsställe.

Gut, Letzteres täglich zu sehen ist eher unschön, aber ich betrachte es als stete Mahnung, mit meinem Kampf gegen die Ausbeutung der Tiere nicht aufzuhören. Wenn man das Leid jeden Tag vor Augen hat, dann läuft man wenigstens nicht Gefahr, es im Alltagsstress irgendwann zu vergessen.

Nun gehe ich jeden Tag mit meinen Hunden raus in die Felder. Ich sehe dort Kiebitze und Feldlerchen, Rebhühner und die verschiedensten Raubvögel. Rehe, Hasen, Kaninchen, Wiesel und manchmal auch einen Fuchs. Obwohl kaum ein Fleckchen Erde nicht in irgendeiner Form landwirtschaftlich genutzt und stetig umgestaltet wird, fühlen sich viele Tiere hier heimisch, und manche von ihnen gehören inzwischen zu den seltenen Arten.

Umso weniger verstehe ich, warum die einheimische Bevölkerung so sorglos mit dieser vielfältigen, wunderschönen Natur umgeht.

Es ist hier beispielsweise üblich, den Motor des Traktors oder Pick-ups laufen zu lassen, während man sich mit jemandem auf der Straße unterhält. Auch wenn man in einem Haus verschwindet, um dort einer Einladung zum Kaffee zu folgen, lässt man das Auto draußen fröhlich vor sich hin tuckern. Ich habe sogar schon Trecker mit laufendem Motor auf der Straße stehen sehen, ohne dass auch nur weit und breit in Mensch zu sehen war.

Luftverschmutzung ist hier offenbar noch ein Fremdwort. Klimaschutz ebenso. Man lebt, wie man vor 50 Jahren gelebt hat, als auch das Rauchen noch gesund war (zumindest den damaligen Werbeslogans zufolge). Sogar das Gassigehen mit dem Hund erledigt man hier mit dem Auto. Ich habe oft das Gefühl, dass die Menschen sich von der Natur umso mehr entfremden, je mehr sie davon zur Verfügung haben.

Wobei man hier von sauberer Luft ohnehin nicht sprechen kann, weil in der Gemeinde drei Hühnermastbetriebe ansässig sind, deren insgesamt etwa 360.000 Hühner mit ihrem Kot die Feinstaubbelastung der Gegend ordentlich in die Höhe treiben.

Aber was mich am meisten ärgert und mir völlig unverständlich ist, das ist diese Art der Menschen, ihren Müll einfach in die Gegend zu werfen. Als sei die Natur eine einzige große Müllkippe.

Ich habe bei meinen Spaziergängen ohnehin immer Hundekotbeutel dabei, und regelmäßig sammele ich Kaffeebecher mit Plastikdeckel, leere Dosen, Zigarettenkippen, Zigarettenschachteln inklusive Plastikfolie, Bonbonpapier, Plastikverpackungen von Schokoriegeln und allen möglichen weiteren Müll ein und komme dann mit einer vollen Tüte nach Hause.

Am meisten habe ich mich einmal geärgert, als ein Autofahrer am Wegesrand seinen kompletten Aschenbecher ausgeleert hatte. Neben dem Berg Zigarettenstummel lagen zur Vervollständigung auch noch eine leere Zigarettenpackung und ein Coffee- to-go Becher.

Muss das sein? Wer tut sowas?

Meine einzige Erklärung ist hier tatsächlich ein Mangel an Erziehung. Meine Eltern haben sicher nicht alles richtig gemacht, aber das muss ich ihnen lassen: Sie haben mir ausdrücklich erklärt und vorgelebt, dass man nichts, was nicht innerhalb von zwei Tagen von selbst verrottet, in die Natur wirft. Und auch nicht auf die Straße in der Stadt. Egal, ob dort die Straßenreinigung herumfährt und es wieder aufsammelt, so etwas tut man einfach nicht. Seinen Müll hat man mitzunehmen, bis man einen Mülleimer findet. Punkt. Keine Diskussion.

Machen Eltern so etwas heutzutage nicht mehr? Ist Umweltschutz aus der Mode gekommen?

Dabei sehe ich den Müll ja nicht nur hier bei uns in den Feldern. Insbesondere Autobahnausfahrten scheinen in den Augen mancher Menschen spezielle Entsorgungsstellen für den Verpackungsmüll bestimmter Fast Food Ketten zu sein. Man kann diesen aber stattdessen auch einfach mitten auf der Straße aus dem Auto werfen. Am besten direkt vor ein auf der Nebenspur fahrendes Auto (kein Witz, ist mir wirklich schon passiert).

Meine Eltern wohnen mitten im Wald, und als sie noch einen Hund hatten, ist mein Vater auch regelmäßig mit einer Plastiktüte losgezogen, um den Müll, der im Wald herumlag, einzusammeln. Anderes Bundesland, aber offenbar die gleiche sorglose Mentalität…

Wenn irgendjemand auf die Idee kommt, Möbelstücke oder Bauabfälle irgendwo in der Pampa abzulegen, was hier mit schöner Regelmäßigkeit passiert, dann entwickelt dieser Ort sofort eine magische Anziehungskraft auf andere Leute, die auch irgendwelchen Müll loswerden wollen. Und innerhalb weniger Tage liegt dort ein großer Haufen von Dingen, die keiner mehr haben will.

Und das, obwohl der nächste Recyclinghof gerade mal zehn Kilometer entfernt ist, jeder eine eigene Mülltonne besitzt, und auch noch regelmäßig kostenfrei Sperrmüll abgeholt wird. Es gibt zig Möglichkeiten, seinen Müll auf legale Weise korrekt zu entsorgen, ohne ihn einfach in die Natur zu werfen. Das kann doch nicht so schwer sein.

Ist es auch nicht. Das Problem ist einfach die Scheißegal-Haltung der Menschen. Und ihre grenzenlose Dummheit. Denn sie begreifen nicht, dass sie ihre eigene Lebensgrundlage zerstören, wenn sie die Natur zerstören.

Das bisschen Abgas… das bisschen Plastik… der eine Kaffeebecher… was macht das schon?

Ende März 2016 lebten laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 82,3 Millionen Menschen. Jetzt stellen wir uns mal vor, dass jeder dieser Menschen eine einzige Zigarettenkippe wegwirft. Und diese Kippen bilden einen Haufen. 82,3 Millionen Zigarettenkippen. Wird Ihnen auch gerade übel?

Ja, ich weiß, in dieser Zahl sind auch Kinder und Nichtraucher enthalten. Aber zum Ausgleich gibt es auch so manche Raucher unter uns, die täglich 20 Zigarettenkippen in die Natur werfen, insofern finde ich dieses Bild doch gar nicht so unpassend. Und es wird schließlich noch viel mehr Müll achtlos in die Gegend geworfen, wir reden hier nicht nur von Kippen.

Ich glaube, es schadet uns allen nicht, wenn wir öfter mal über das, was wir tagtäglich tun, nachdenken. Wenn wir mal schauen, ob wir nicht durch eine Anpassung unserer Gewohnheiten ein klein wenig dazu beitragen können, dass dieser Planet noch etwas länger durchhält, trotz der unaufhaltsam wachsenden menschlichen Bevölkerung, die ihn immer mehr verdreckt.

(Inga Jung, September 2017)

Das Gefühlsleben der Insekten

Ich las neulich in einer Zeitschrift, in der es um veganes Leben und Tierschutz ging, wie ein Veganer meinte, er hätte kein Problem damit, Insekten zu essen, denn diese verspürten keinen Schmerz. In der Tat bildet sich gerade eine ganze Industrie, die sich damit beschäftigt, wie man Insekten als Nahrungsmittel züchten und vermarkten kann. Kein Witz. Es ist ja bekannt, dass die menschliche Überbevölkerung in gar nicht so ferner Zeit nicht mehr überleben kann, wenn die Menschen ihren Fleischkonsum nicht einschränken. Aber statt sich auf Pflanzen, Obst und Gemüse zu konzentrieren, die alles enthalten, was der Mensch braucht, werden jetzt absurderweise Insekten als „Fleischersatz“ herangezogen.

Wenn jemand einfach so in die Welt hinausposaunt, Insekten fühlten keinen Schmerz, kann ich mich einfach nicht beherrschen. Ich muss das hinterfragen. – Ja, ich weiß, das ist eine Eigenart, mit der ich meiner Umgebung gehörig auf die Nerven gehen kann, aber irgendwer muss solche Fragen schließlich stellen. Denn ich bin der Meinung, dass man über etwas so Persönliches wie Schmerz nur Bescheid wissen kann, wenn man es selbst erlebt hat. Schon allein von Mensch zu Mensch gibt es doch einen großen Unterschied in der Definition von Schmerz. Was der einen nur ein leises „Autsch“ entlockt, veranlasst den anderen, die gesamte Nachbarschaft zusammenzuschreien.

Das Problem bei der ganzen Sache ist doch: Wir sind keine Insekten, sondern Menschen. Das heißt:

Wir wissen es einfach nicht.

Nun kommen die Forscher an und sagen, Insekten haben kein mit dem Unseren vergleichbares Nervensystem. So weit so gut.

Aber nur weil es uns nicht ähnelt, kann es doch trotzdem irgendetwas in der Art geben, oder? Es müssen ja nicht dieselben Gefühle sein, die wir fühlen. Aber vielleicht empfinden Insekten etwas anderes, ebenfalls Unangenehmes, wenn die Fliegenklatsche sie erwischt. Woher wollen wir so genau wissen, dass dem nicht so ist?

Ich mag zum Beispiel Spinnen. Spinnen dürfen bei mir im Haus leben, bis sie eine gewisse Maximalgröße erreicht haben. Wenn das der Fall ist, dann nehme ich ein Glas und eine Postkarte und setze sie behutsam nach draußen, wo sie weiterleben dürfen.

Bei dieser Aktion berühre ich zwangsläufig die Spinnenbeine mit der Postkarte – und die Spinne reagiert. Jede Spinne tut das. Sie erstarren, sie zucken zurück, sie versuchen zu fliehen … Mit anderen Worten: Sie spüren die Berührung. So sehr ich mich auch bemühe, ich finde keine andere Erklärung für ihre Reaktionen.

Aber wenn sie Berührungen spüren können, wie kann man dann behaupten, sie würden nichts empfinden?

Es ist noch gar nicht so lange her, da behaupteten Menschen, dass die Schmerzensschreie eines bei lebendigem Leib aufgeschlitzten Hundes nichts anderes seien als mechanische Reaktionen, wie das Quietschen eines nicht geölten Rades.

Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei und jeder weiß inzwischen, dass Hunde Schmerzen empfinden wie wir.

Bei Nutztieren scheint es aber immer noch Menschen zu geben, die ihnen sämtliche Gefühle absprechen wollen. Es sind ja „nur Nutztiere“ – geboren, um für uns Menschen zu sterben. Da ist der Gedanke daran, dass sie leiden, doch eher unbequem. Wer will schon so genau wissen, was für Gefühle, Gedanken und Hoffnungen das Steak auf dem Teller noch vor ein paar Monaten hatte …? Das verdirbt einem doch bloß den Appetit.

Und es gibt sogar heute noch sogenannte „Sport-Angler“, die nach wie vor an der Behauptung festhalten, Fische hätten kein Schmerzempfinden. Damit beruhigen sie ihr Gewissen und müssen sich keine Vorwürfe machen, wenn sie den schwer verletzten Fisch wieder ins Wasser werfen. Schließlich haben sie ihn nicht getötet, wie edel … Dabei wurde bereits vor vielen Jahren in völlig unnötigen und tierquälerischen Versuchen eindeutig nachgewiesen, dass Fische ebenso Schmerzen empfinden wie wir Säugetiere.

So. Und jetzt kommt der Mensch und spricht den Insekten die Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, ab. Wenn man sich mal vor Augen führt, wie oft wir uns in dieser Hinsicht im Laufe unserer ruhmlosen Geschichte schon geirrt haben, dann möchte ich diese Behauptung zumindest nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Denn ich glaube nicht, dass irgendjemand schon mal ein Insekt nach seiner Meinung zu diesem Thema gefragt hat.

Wir Menschen neigen trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse immer noch dazu, uns selbst als den Nabel der Welt und das wichtigste Tier auf dem Planeten zu betrachten. Und das obwohl wir inzwischen wissen, dass die menschliche Existenz im Vergleich zur Erdgeschichte gerade mal eine Winzigkeit ausmacht und wir es, wenn wir so weitermachen, vermutlich noch schneller als die Dinosaurier schaffen, von diesem Planeten wieder zu verschwinden. Nur die Verwüstung, die wir hinterlassen, wird sehr viel größer sein als die damalige.

Wer jemals zwischen Pflastersteinen Unkraut gejätet und dabei eine gesamte Ameisenkolonie in helle Aufregung versetzt hat, der kommt doch gar nicht umhin, darüber nachzudenken, was wohl in den Köpfen dieser kleinen Wesen vorgeht und wie ihr Leben aus ihrer Perspektive aussieht. Es hätte den Film „Antz“ niemals gegeben, wenn sich nicht noch mehr Menschen in ganz ähnlichen Gedanken verlieren würden. Ebensowenig hätte die „Biene Maja“ das Licht der Welt erblickt.

Unsere menschliche Arroganz ist grenzenlos, und sie macht uns blind. Aber glücklicherweise haben wir unseren Verstand und somit die Möglichkeit, über unsere Handlungen nachzudenken. Ich jedenfalls bin sehr vorsichtig geworden, was Insekten betrifft, denn vielleicht ist ihre Welt doch sehr viel umfangreicher, als wir mit unserer beschränkten menschlichen Sichtweise es je erahnen könnten.

Insekten sind faszinierend, und sie sind anders als wir. Aber wissen wir wirklich, dass sie keine Schmerzen oder irgendwelche ähnlichen Gefühle kennen? Wissen wir das? Vielleicht ja. Vielleicht nein. Seien wir lieber vorsichtig mit Behauptungen über Dinge, von denen wir einfach viel zu wenig verstehen.

(Inga Jung, Juni 2017)

Konsumverhalten

 

Wer sich viel mit Tier- und Umweltschutz beschäftigt, kommt früher oder später an den Punkt, an dem er verzweifelt. Denn wohin man auch blickt – in jedem Land der Erde werden Tiere von uns Menschen missbraucht, gequält und ausgenutzt und unsere Umwelt ausgebeutet, als hätten wir noch eine Zweite in Reserve.

Schnell erscheint einem der ganze Kampf sinnlos angesichts der wirtschaftlichen Macht, die hinter Massentierhaltung, Fleisch- und Pelzproduktion und Tierversuchsindustrie steckt. Man fragt sich, was man als Einzelner überhaupt bewirken kann.

Wir alle müssen uns daher bewusst werden, dass die Wirtschaft bei all dem der wichtigste Faktor ist, und dass wir Teil des Ganzen sind. Wir können allein durch unser Konsumverhalten und unsere täglichen Gewohnheiten vieles verändern. Auch wenn wir nicht viel Geld ausgeben, können wir doch entscheiden, wofür wir es ausgeben und was wir damit finanzieren. Dazu gehört allerdings ein bisschen Aufmerksamkeit, denn nicht immer sind Produkte eindeutig gekennzeichnet.

Echter Pelz ist zum Beispiel wieder im Trend – heutzutage nicht mehr als kompletter Mantel, sondern als Applikation an zahlreichen Kapuzen, Mützen und Handschuhen. Oft wird er nicht als Echtpelz ausgewiesen oder zum Teil sogar ausdrücklich als Kunstpelz bezeichnet, obwohl es sich um echten Pelz handelt. Hier muss man als Verbraucher Eigenverantwortung zeigen und genau hinsehen. Im Zweifel würde ich lieber eine andere Jacke nehmen, als Gefahr zu laufen, durch den Kauf einer Jacke mit Echtpelzbesatz den qualvollen Tod eines Tieres finanziell zu unterstützen. Denn darauf läuft es schließlich hinaus.

Ein ganz wichtiges Thema ist das Billigfleisch. Die Deutschen essen Unmengen an Fleisch, viel mehr als gut für sie ist. Dabei muss es dann auch noch möglichst billig sein, wer will schon mehr als einen Euro für einen Hamburger oder mehr als zwei Euro für ein halbes Hähnchen bezahlen? Geiz ist geil. Und die Wenigsten machen sich Gedanken darüber, unter welchen Umständen die Tiere, die für dieses Fleisch sterben mussten, wohl gelebt haben, damit sich die Billigvermarktung überhaupt lohnt. Dass sie auf engstem Raum zusammengedrängt waren, in ihrem eigenen Kot ausgerutscht sind, sich gegenseitig verletzt haben und über die Kadaver ihrer Mitbewohner laufen mussten. Dass sie das einzige Mal in ihrem Leben Sonnenlicht sahen, als sie aus ihrem Stall in den Transporter verladen wurden, der sie zum Schlachthaus brachte.

Niemand will darüber nachdenken, was diese Tiere in ihrem Leben gefühlt haben. Das will keiner wissen, das verdirbt einem schließlich den Appetit. Auch über die vielen Medikamente, mit denen diese Tiere gefüttert werden, damit sie sich in der Enge des Stalles keine Infektionen holen, will sich keiner der Billigfleisch-Fans Gedanken machen. Genausowenig über die Stresshormone, die während des Transportes zum Schlachthof und während des beängstigenden Tötungsvorgangs ausgeschüttet werden und den Körper des Tieres durchdringen. Ein Schwein, das ins Schlachthaus kommt, weiß, wo es sich befindet. Es riecht das Blut und den Tod, und es hat panische Angst. Das alles finden wir nachher im Fleisch wieder – einer der vielen Gründe, weshalb dieses Fleisch nicht so gesund ist wie viele Menschen immer noch glauben.

Wir können auch hier aktiv dazu beitragen, dass sich die Lebensbedingungen der Tiere verbessern, zum Beispiel indem wir seltener Fleisch essen und dafür dann qualitativ hochwertiges Bio-Fleisch kaufen. Wichtig ist hier nur, auf das Biosiegel zu achten, am sichersten ist man zum Beispiel bei Bioland- oder Demeter-Produkten. Wer ganz sichergehen will, fährt zu einem Biobauern, schaut sich dort die Haltung der Tiere an und kauft dann direkt im ansässigen Hofladen. Aber man findet heutzutage in jeder Stadt auch einen Bioladen, in dem man qualitätsgeprüftes Bio-Fleisch kaufen kann.

Das Gleiche gilt natürlich für alle tierischen Produkte: Milch, Käse, Sahne, Joghurt, Eier … Nicht alles, was als Bio ausgewiesen ist, erfüllt die gleichen Standards. Wer sich sicher sein möchte, dass die Tiere gut gelebt haben, geht für solche Produkte besser in den Bio- oder Hofladen. Vorsicht ist allerdings bei solchen Bauern geboten, die vielleicht 50 freilebende Hühner haben und dazu dann noch 50.000 Legehennen in Massentierhaltung. Kauft man hier die Bio-Eier, dann unterstützt man indirekt die Massentierhaltung.

Dasselbe Prinzip findet man auch bei den Stromanbietern. Die großen Konzerne haben alle Strom aus erneuerbaren Energien im Angebot, aber wer hier seinen Vertrag abschließt, unterstützt weiterhin den Bau von Kohlekraftwerken und den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. Wer etwas bewirken will, muss sich einen Anbieter suchen, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien im Angebot hat. Nur dann trägt das eigene Geld auch wirklich zu einer sauberen Zukunft bei.

Wer sich von Falten befreien und sein Gesicht mit Botox behandeln lassen möchte, dem sei gesagt, dass es Firmen gibt, die Botox ohne Tierversuche produzieren, während andere Firmen noch Unmengen an Mäusen qualvoll für die immer gleichen Testreihen sterben lassen. Es ist nicht notwendig, denn es gibt Alternativen. Aber solange diese Firmen ihre Produkte weiter vermarkten, wird sich nichts ändern. Die Verbraucher sind diejenigen, die hier die Entscheidungen treffen.

Mit der kritischen Wahl der Dinge, die wir für unseren Alltag benötigen – von Lebensmitteln über Kleidung, bis hin zu Brennstoffen und Strom – können wir viel bewirken, auch im Kleinen. Es geht nicht immer um die riesigen Summen. Wenn wir alle ein bisschen umdenken und beim Einkauf kritisch überlegen und jeder Einzelne etwas beiträgt, dann können auch Kleinigkeiten schon eine enorme Wirkung haben.

Die Fantastischen Vier haben es schon im Jahr 1995 auf den Punkt gebracht: „Wir retten die Welt, sag ich, und wird ausgelacht, doch wenn das alle sagen würden, hätten wir’s schon längst gemacht.“ Das ist jetzt neun Jahre her, und es ist noch nicht viel passiert. Ich würde sagen, es wird Zeit, dass wir uns endlich alle angesprochen fühlen. Wir alle tragen die Verantwortung, und wir alle können etwas bewirken.

(Inga Jung, April 2014)